🇩🇪 In Leonard Cohens (laut Rolling Stone Magazine) achtbeliebtestem Lied „Tower Of Song“ , dessen Lyrics er rezitierte, als er 2008 in die Rock’n’Roll Hall of Fame aufgenommen wurde, geht es um die Kunst des Songwritings. Viele Interpretationen beschäftigen sich ausschließlich mit dem zentralen Symbol, dem Turm, dem sich Cohen in jeder Strophe aus einer anderen Perspektive nähert. Doch auch der Rest des Textes ist ein Meisterwerk des Liederschreibens – mit einem starken Spannungsbogen, dem typischen Cohen-Triptychon „Lebensdrama, Frauen, Religion“, das zum Beispiel auch „Suzanne“ zugrunde liegt, und einer Bildgewalt, die seinem größten Hit „Hallelujah“ in nichts nachsteht.

🇩🇪 Eigentlich passt die Geschichte von der talentierten Singer-Songwriterin, die tagsüber für den Lebensunterhalt kellnert und abends auf kleinen Open Mic-Bühnen ihrer wahren Leidenschaft folgt, nicht mehr in diese Zeit. Man stellt sich doch die digital affinen Nachwuchsmusiker*innen von heute eher so vor, dass sie Musik per Smartphone und DAW-App im Heimstudio produzieren, ihre Songs auf YouTube und Spotify hochladen und an den Flaschenhälsen der Musikindustrie vorbei ihr Publikum finden. Aber auch die nostalgischen Geschichten gibt es noch, siehe Iona Zajac, King Hannah und Anna B. Savage.

🇩🇪 Die erste Ausgabe des Feral Folk Festivals fand im Sommer 2024 noch auf der kleinen Bühne der Freilichtbühne Weißensee statt, weil man ja gar nicht wusste, wie groß das Interesse sein würde. Bei der zweiten Ausgabe am gestrigen Samstag füllte das Publikum bereits die Ränge der Hauptbühne. Kein Wunder – man kann bei aller journalistisch gebotenen Distanz von dieser Veranstaltung, die die zu neuer Größe erwachte alternative und unabhängige Folkszene Berlins gebührend feiert, einfach nur schwärmen.

🇩🇪 Die Famous Gold Watch Audiovisual Studios in Berlin-Weißensee sind ein solcher Herzensort für jede*n, der oder die Indie und Alternative Musik mag, dass man eigentlich nicht darüber schreiben sollte. Denn immer, wenn zu viele Menschen von etwas Großartigem wissen, zerstören sie es. Andererseits ist die Geschichte des märchenhaften Musikkellers zu schön, um nicht erzählt zu werden.

🇩🇪 Ich weiß nicht, ob das jemanden so im Detail interessiert, aber ich finde es unglaublich faszinierend, mir vor Augen zu führen, auf wie viele Einzelheiten der Fingerarbeit man in einem einzigen einseitigen (!) Gitarrenstück achten muss, um überhaupt die Chance zu haben, es fehlerfrei und klanglich schön durchzuspielen. Darum schreibe ich das heute mal für die Polka „Rosita“ von Francisco Tárrega auf. Vielleicht hilft es dir, das Stück zu meistern. Mir hilft das Aufschreiben auf jeden Fall, mir alles noch besser einzuprägen.