🇩🇪 Eine Indonesierin und ein Süddeutscher lernen sich beim Musikstudium in den U.S.A. kennen. Gemeinsam gründen sie die Piano Academy Berlin, die 2025 ihr 15. Jubiläum gefeiert hat. Die Geschichte von Dr. Amelia Puspita und Dr. Andreas Boelcke ist die Geschichte von zwei Menschen, die ihr Leben der Musik gewidmet haben, und von der Musik, die keine interkulturellen Grenzen kennt. Warum Musiklern-Apps den persönlichen Unterricht nie ablösen werden, erzählen die beiden Pianisten in meinem neuen Sachbuch „Profile aus Berlin Steglitz-Zehlendorf“ (Verlag Elmar Zinke, Juni 2026). Einen Auszug aus dem Interview könnt ihr hier lesen.
Wie haben Sie Ihre Leidenschaft für das Klavierspielen entdeckt?
Puspita: Wir spielen beide seit unserer Kindheit. Meine Mutter hat auch als Klavierlehrerin gearbeitet, aber inzwischen hat sie ein Catering Business eröffnet. Als ich mit 18 Jahren ein Stipendium in Amerika erhielt, war das für mich ein großes Abenteuer. Ich bin froh, dass ich es gewagt habe, sonst hätte ich meinen Mann nicht kennengelernt!
Boelcke: Bei uns zu Hause spielte täglich jemand Klavier, die Mutter, der Großvater oder die älteren Geschwister. Aber erst mit acht Jahren begann ich, Unterricht zu nehmen. Prägende Ereignisse waren die „Jugend musiziert“-Wettbewerbe und ein Studientag, bei dem ich in Stuttgart einen Klavierprofessor kennenlernte. Auch ich ging nach Amerika, weil ich ein Stipendium an der Missouri Western State University in der Nähe von Kansas City erhielt. Amelia war bereits ein Jahr dort. Nach dem Bachelorabschluss sind wir auf das College Conservatory of Music in Cincinnati gewechselt, eine der wirklich guten Musikhochschulen in den U.S.A.. Wir hatten beide Vollstipendien, sonst wären die Studiengebühren unbezahlbar gewesen. Als sogenannte Graduate Teaching Assistants konnten wir am Konservatorium als Assistenten der Professorin unterrichten und Erfahrungen als Musiklehrer sammeln.
Wie wurden Sie ein Paar?
Boelcke: Während des Studiums haben wir uns ineinander verliebt, einige Jahre später geheiratet und im Jahr 2009 unseren ersten Sohn bekommen. Eigentlich wollten wir in den U.S.A. bleiben, wo wir uns bereits einen Schülerkreis aufgebaut hatten. Nach dem Studium hätten wir noch ein Jahr arbeiten dürfen, danach aber eine Greencard gebraucht, die wir nur als festangestellte Musiklehrer bekommen hätten. Und das auch nur nach jahrelangem Unterrichten mit einem sogenannten H1 Visum – möglicherweise eine lange Zeit der Unsicherheit. Außerdem wollten wir nicht als Angestellte an einem kleinen College, sondern selbstständig arbeiten, das wäre leider unmöglich gewesen. Das war der Hauptgrund für unseren Umzug nach Deutschland.
Puspita: Ich konnte mich in den ersten Jahren mit einem Kleinkind sowieso nicht auf die Karriere fokussieren und habe mich auf das Abenteuer gefreut, gemeinsam Deutschland zu entdecken. Mein Mann brachte mir Deutsch bei, sodass ich in der Universität in den U.S.A. gleich in den A2-Kurs und in Deutschland in den C1-Kurs einsteigen konnte.
Eine interkulturelle Ehe zu führen, bringt Herausforderungen mit sich. Anfangs haben wir uns oft in die Haare bekommen, wir waren beide jung und stur. Aber zumindest hatte niemand einen Vorteil, weil wir beide in unserer Zweitsprache Englisch miteinander kommunizieren mussten. Und die Tatsache, dass aufgrund kultureller Differenzen immer ganz viel Kommunikation notwendig war, ist heute das Geheimnis unserer stabilen Beziehung. Wir haben eine Regel, dass wir keine Entscheidung treffen, ohne vorher noch einmal unter vier Augen darüber zu sprechen. Das funktioniert beruflich und privat sehr gut!
Was mögen Sie an Ihrem Beruf am meisten?
Es ist sehr spannend, mit Menschen unterschiedlichen Alters zu arbeiten, mit Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen und Senioren. In 15 Jahren sind so einige zusammengekommen! Unser jüngster Schüler hat im Alter von drei Jahren angefangen – seine Mutter ist sehr geduldig und liebevoll mit ihm – unsere älteste Schülerin begann den Unterricht bei uns mit 69 Jahren. Inzwischen ist sie fast 80, und da sie jeden Tag eine Stunde übt, ist sie richtig gut geworden. Wir erleben auch Kinder, die sich nicht gut konzentrieren können und deren Eltern sie nicht unterstützen, aber gerade dann ist es besonders schön, wenn sie durch uns eine Motivation entwickeln. Insgesamt haben wir etwa 60 Schülerinnen und Schüler. Einige bereiten wir auf „Jugend musiziert“-Wettbewerbe oder Aufnahmeprüfungen an Musikhochschulen vor. Angefangen haben wir mit einem Mietflügel, inzwischen haben wir drei Flügel als Unterrichtsinstrumente. Dass Kinder auf dem Flügel Klavierspielen lernen, ist etwas Außergewöhnliches! In vielen Musikschulen findet der Unterricht nur auf E-Pianos statt.
Wir leisten einen wichtigen Beitrag zur Gesellschaft. Wenn wir das Feedback bekommen, dass wir einen positiven Einfluss auf das Leben unserer Schülerinnen und Schüler haben, macht uns das Freude. Eine Mutter, die sagt: „Mein Sohn ist durch den Klavierunterricht jetzt auch in der Schule aufmerksamer!“ oder erwachsene Schüler, für die die Unterrichtsstunde bei uns ihre Lieblingszeit in der ganzen Woche ist, freuen uns sehr. Besonders schön ist es, wenn Kinder und Teenager die großen Komponisten kennenlernen und immer anspruchsvollere Stücke erlernen. Wenn man Bach, Mozart, Beethoven oder Chopin gut spielen kann, wird das schnell zu einer großen Leidenschaft. Und wenn ein orientierungsloser Teenager einen 1. Preis bei „Jugend musiziert“ holt, gibt das seinem Leben eine Richtung. Selbst wenn er später kein Musiker wird, ist trotzdem etwas mit ihm passiert. Er hat etwas erreicht, das ihn auch in Zukunft prägen wird. Wir unterrichten auch Kinder ohne bildungsstarken Hintergrund. Wenn sie erleben, dass sie die einzigen in der Klasse sind, die Klavier spielen können, stärkt das ihr Selbstwertgefühl.
Was ist das Geheimnis des guten Klavierspiels?
Es ist wichtig, auf den Klang zu achten. Klavierspielen heißt nicht „Knöpfe drücken“. Es wird eine Saite zum Schwingen gebracht. An einem akustischen Klavier kann man einen guten Klang am besten lernen. Der Effekt der Musik wird auch in Zeiten von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz nicht verloren gehen. Es wird immer Menschen geben, die den Klang eines akustischen Instruments hören wollen! Klavierlern-Apps und YouTube sind gut, wenn sich dadurch eine Tür öffnet, aber sie können den Unterricht nicht ersetzen. Schüler, die sich das Spielen selbst beigebracht haben, haben nie eine gute Handhaltung und meistens auch kein Taktgefühl. Die Apps können nur prüfen, ob man die richtige Taste drückt, aber nicht, wie ausdrucksstark das Spiel ist.
Wer regelmäßig Unterricht nimmt, entwickelt fast immer eine tiefe Liebe zur Musik. Eine Schülerin von uns hat gesagt: „Ich kann mir ein Leben ohne Klavier gar nicht mehr vorstellen!“ Viele sagen, sie wissen nicht, wie sie im Urlaub zwei Wochen ohne ihr Instrument auskommen sollen. Letztendlich lernt man am Klavier nicht nur etwas über Musik. Man lernt, sich zu fokussieren, man schult sein Durchhaltevermögen. Ähnlich wie in der Meditation lernt man, sich zu konzentrieren. Man lernt, die Finger fokussiert im Rhythmus zu bewegen. Wenn man in der Lage ist, Werke großer Meister zu spielen, die Musik zum Leben zu erwecken, ist das ein großes Gefühl, das viel Freude bringt.
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Das vollständige Interview mit Dr. Amelia Puspita und Dr. Andreas Boelcke, Gründer und Inhaber der Piano Academy Berlin, lest ihr in meinem neuen Sachbuch „Profile aus Berlin Steglitz-Zehlendorf“ (Verlag Elmar Zinke, Juni 2026). Darin berichten sie:
- Wie die Piano Academy Berlin die Pandemie überstanden hat
- Welche Musik ihre beiden Söhne am liebsten und besonders gut machen
- Wie sie die Verbindung zu Dr. Amelia Puspitas Heimat Indonesien aufrechterhalten
- Welche Zukunftspläne sie für die Piano Academy Berlin und ihre persönliche berufliche Laufbahn haben
Buchbestellung
Seit 25 Jahren publiziert der Verlag Elmar Zinke unter dem Titel „Edition Profile“ Portraitbände über ausgewählte Persönlichkeiten und Geschäftsleute in einem bestimmten Einzugsbereich, deren Arbeit die Stadt oder Region prägt und Wertschätzung verdient. Die Serie umfasst rund 200 hochwertige Kunstdrucke mit Ledereinband und Fadenbindung, die in einer Manufaktur gefertigt werden und eine Sammlerzielgruppe ansprechen.
Der Interviewband „Profile aus Berlin Steglitz-Zehlendorf“ von Maja Roedenbeck ist neu nicht bei Amazon und anderen Onlinebuchshops erhältlich (gebraucht einige Zeit nach der Veröffentlichung erfahrungsgemäß schon), kann jedoch unter der ISBN-Nummer 978-3-941294-98-1 in jeder Buchhandlung bestellt werden. Oder direkt bei mir anfragen: redaktion[at]maja-roedenbeck.de

